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Dachdeckermörtel – Gibt es ihn noch?
 
Bei der Instandsetzung historischer Dachdeckungen muss aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten darauf geachtet werden, die Anschlusssituation in ihrer ursprünglichen Ausführung wiederherzustellen, um so den historischen Charakter eines Gebäudes zu erhalten. Dies bedeutet, dass historisch belegte Vermörtelungen an der Dachhaut mit einem sogenannten Dachdeckermörtel wieder ausgeführt werden.
 
Historisch kamen z.B. mit Tierhaaren armierte Luftkalkmörtel mit verschiedenen Zusätzen zum Einsatz (Siegelin & Knapp 2000). Heutzutage finden faserverstärkte Dachdeckermörtel zum Verlegen von z.B. Traufziegeln und für die Vermörtelung der Firste oder Grate Verwendung. Das Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks schlägt als Mörtel einen Kalkzementmörtel im Mischungsverhältnis 2:1:8 (Kalk : Zement : Sand) vor (Zanger 2001).
 
Bei der Verwendung von Dachdeckermörtel muss darauf geachtet werden, dass sie eine gute Verarbeitbarkeit und gutes Haftvermögen besitzen sowie eine hohe Elastizität aufweisen, um die Bauwerksbewegungen aufnehmen zu können (Siegelin & Knapp 2000; Zanger 2001). Zudem müssen sie diffusionsoffen sein, um eine gute Auslüftung der angrenzenden Ziegel zu gewährleisten, sowie frostsicher und witterungsbeständig sein. Damit es zu keinem Auftrocknen bei Vorhandensein von saugenden Ziegeln kommt, sollten die Ziegel vor der Vermörtelung gewässert werden (Zanger 2001). Aufgrund zahlreicher Schäden auf Firsten und Graten durch die Applikation von zu viel und zu hart eingestellten Mörteln muss bei der Ausführung auf eine sparsame Anwendung geachtet werden (Siegelin & Knapp 2000; Zanger 2001).
 
Firmen, die kalkzementgebundene, faserarmierte Dachdeckermörtel anbieten, sind beispielsweise Baumit, quick-mix oder Sakret. Diese sind Mörtel der Mörtelklasse M2,5 bzw. M5 in Anlehnung an DIN EN 998-2 (siehe auch deren Produktdatenblätter).
 
Siegelin, B. & Knapp, U. (2000): Reparatur statt Erneuerung. Der Grüne Turm in Ravensburg. Denkmalpflege in Baden-Württemberg–Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, 29. Jg., Nr. 1, S. 50-59.
 
Zanger, H. (2001): Ziegeldach und Denkmalpflege – Mörtellösungen, in: Das Baudenkmal – Nutzung und Unterhalt, Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung e. V., Reihe B: Schriften, Band 8, 118-123.
 
 

                                                        Foto: M. Wenzel, GDKE Landesdenkmalpflege 

 

Stadttauben auf Denkmälern – Was muss man tun?

Vor allem in Städten sind Baudenkmäler geschätzte Aufenthaltsplätze von Tauben. Auf Brüstungen, Bauornamenten und in geschützten Nischen hinterlassen sie dabei Exkremente.

In dem 2019 abgeschlossenen DBU-Projekt „Fokus Taube“, durchführt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), wurde u.a. noch einmal die Wirkung des Taubenmists auf verschiedenen Baumaterialien bewertet. Dabei bestätigte sich, dass der Taubenkot aufgrund seines pH-Werts zwischen 5 (frisch) und 9 (gealtert) allein für Natursteine und Metalle nicht schädlich ist. Insbesondere an beregneten Landeplätzen ist deshalb der Aufenthalt von Tauben tolerierbar. Die oft unschön zurückbleibenden, weißen Flecken bestehen aus wasserunlöslicher Harnsäure. Die Exkremente enthalten allerdings Sulfat-, Nitrat- und Phosphat-Salze, die sich an geschützten, viel frequentierten Sitzplätzen anreichern und in poröse Natursteine, wie z.B. die viel verwendeten Sandsteine, einwandern und dort Salzkristallisationsschäden verursachen können.

Die Vergrämung von Tauben an Baudenkmälern, die geschützte Aufenthaltsorte oder Brutplätze bieten, ist deshalb insbesondere im Anschluss an Restaurierungsmaßnahmen unbedingt vorzusehen. Bewährt haben sich dabei v.a. feinmaschige Netze oder feine Drahtseile. Von sog. Vogelabwehrpasten ist abzuraten, da sie schwer zu entfernen sind und somit die eigentlich zu schützende Bausubstanz schädigen. Die Wirkung von zur Taubenvergrämung auch empfohlenen Verfahren wie Ultraschall oder Bird Free (Schälchen mit einer glitzernden Substanz, die Tauben vom Landen abhalten soll), sind wissenschaftlich nicht bewiesen.

Diese Maßnahmen reagieren aber nur auf den Taubenbestand. Über die Möglichkeiten von Kommunen oder anderen Verantwortlichen zur Regulierung der Taubenbestände informiert zum Beispiel eine neue Broschüre der Stadt München.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass von Taubenmist nur ein geringes Gefährdungspotential für die Denkmalsubstanz ausgeht. Ausgenommen sind natürlich die Situationen, z.B. in jahrzehntelang vernachlässigten Dachstühlen, die eine professionelle Reinigung unter Gewährleistung arbeitsmedizinischer Auflagen zum Schutz der handelnden Personen erfordern. „Von einer durch Taubenmist regelrecht „weggeätzten“ Denkmallandschaft kann jedoch nicht die Rede sein“ (Martin Mach, BLfD).

Mach, Martin: Zwischen Liebe und Ekel: Das Drittmittelprojekt „Fokus Taube“. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalpflege Information Nr. 171, 2019, 70-75. (online unter www.blfd.bayern.de).

Referat für Umwelt und Gesundheit der Stadt München: Leben mit Stadttauben. München 2018. (online unter www.muenchen.de/rathaus Leitfaden Stadttauben.

 

 

Fachinformationen und Arbeitshilfen für die praktische Denkmalpflege

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) pflegt seit 2014 eine tabellarische Sammlung von für die praktische Denkmalpflege interessanten und wichtigen Arbeits-, Merk- und Infoblättern, die von Denkmalämtern oder in der Denkmalpflege tätigen Institutionen (z.B. WTA) veröffentlicht werden. Die Zitate sind thematisch sortiert. Zu jedem Titel ist die Bezugsquelle genannt. Die Sammlung wird fortgeschrieben und laufend aktualisiert. Sie ist auf der Homepage des NLD unter Service/Fachinformationen zur Baudenkmalpflege als pdf zu erhalten.

 

Restauratoren und Restauratoren im Handwerk

Für die Suche nach geeigneten Restauratoren/innen für eine anstehende Maßnahme können folgende Verzeichnisse dienlich sein: Vorrangig Restauratoren mit Hochschulabschluss findet man auf der Homepage des Verbands der Restauratoren (VDR) (www.restauratoren.de) unter der Rubrik Restauratorensuche. Sortiert nach Fachgebieten sind die in der Baudenkmalpflege tätigen Restauratoren/innen unter Wandmalerei und Architekturoberflächen sowie unter Steinkonservierung gelistet.

Handwerksbetriebe für Restaurierung und Denkmalpflege findet man unter www.irb.fraunhofer.de/zdh.

 

STONE 2020 in Göttingen

Die seit 1972 alle 3-4 Jahre stattfindende internationale STONE-Tagung findet zum 14. mal vom 07.-11.09.2020 in Göttingen statt. Von Teilnehmern aus aller Welt werden aktuelle Ergebnisse und Erkenntnisse zur Verwitterung, Schädigung und Erhaltung von Naturwerksteinen vorgestellt, diskutiert und in einem Tagungsband publiziert.

Über Programm und Teilnahme kann man sich unter www.stone2020.uni.goettingen.de informieren.

 

Neue IFS-Berichte

Modellhafte behutsame Sichtbetoninstandsetzung an der denkmalgeschützten Stadthalle in Lahnstein. IFS-Bericht Nr. 55.

Gipshaltiges Mauerwerk am Baudenkmal. IFS-Tagung 2019. IFS-Bericht Nr. 57.

Auf dem Weg zu einem Konservierungskonzept für die Mikwe in Worms. IFS-Bericht Nr. 58.

Informationen zum Inhalt und zum Bezug der Berichte finden sich auf der IFS-Homepage.

 

Tagungsvorschau

Brotterode, 03.03.2020: Konservierungsstrategien für Rhyolithtuffmauerwerk

Wiesbaden, 29.06.2020: IFS-Jahrestagung zum Thema Kalk in der Denkmalerhaltung (Arbeitstitel)

Informationen zu den Programmen sind auf der IFS-Homepage erhältlich.

 

Trauer um Dr. Magnus Backes

Das IFS trauert um seinen Gründungsvater und ersten Vorstandsvorsitzenden Dr. Magnus Backes, Landeskonservator Rheinland-Pfalz a.D., der am 21.05.2019 im Alter von 88 Jahren verstarb. Die Gründung des IFS im Jahr 1990 geht maßgeblich auf seine Initiative zurück, für die er Mitstreiter aus den anderen Bundesländern begeistern konnte. Mit dem ihn auszeichnenden, lebhaften Interesse hat er unsere Arbeit bis zuletzt begleitet. Wir gedenken Herrn Dr. Backes in dankbarer Erinnerung.

01/2020